„Diese Lebensweise ist nicht für jeden.“
(und das ist auch völlig in Ordnung so)
Es gibt einen Satz, der bei mir alles an seinen Platz gerückt hat:
Ich schulde keine Erklärung.
Nicht, weil ich etwas verheimliche. Nicht, weil ich mich verteidige.
Nicht, weil ich „Recht habe“ und jetzt groß verkünden will, wie es läuft.
Sondern weil… das ist mein Körper. Das ist mein Leben.
Und wisst ihr, was daran das Lustige ist?
Ich „wusste“ das nicht einfach so von Anfang an.
Ich bin da reingestolpert, ich bin müde geworden davon, ich hab mir den Kopf dran gestoßen – und irgendwann ist es einfach klick gemacht.
Denn ziemlich lange dachte ich: Wenn ich anders esse, anders lebe, dann muss ich das erklären.
Meinem Mann.
Den Kindern.
Freunden.
Der Familie.
Der Schwiegermutter, meinem Vater – jedem, der gerade das Gefühl hatte, das sei jetzt sein Thema.
Als bräuchte ich eine Genehmigung für meine Entscheidungen.
Entschuldigung… wie bitte?
Stellt euch das mal vor, wie das wäre:
Erst unterschreibt mein Mann „ja, Anikó darf so essen“,
dann nickt die Schwiegermutter ab, die Familie stimmt ab, die Freundinnen geben ihren Segen, die Kinder drücken den Stempel drauf…
und dann darf ich endlich ein Ei und ein Steak essen.
Ja klar. Ganz bestimmt.
Am Anfang haben sie gefragt. Okay.
Es gibt Fragen, die sind freundlich, interessiert, normal – auf die antworte ich auch normal.
Aber irgendwann haben sie nicht mehr gefragt.
Sie haben gesagt.
Meinungen.
Sorgen.
Besserwisserei.
„Lösungen“.
Augenbrauen hoch.
Mundwinkel runter.
Halbes Lächeln.
„Das ist bestimmt nicht gesund.“
„Das könnte ich nie.“
„Das ist extrem.“
„Davon bekommst du Krebs.“
Ja. Bei uns war das tatsächlich ein Hit:
„Davon bekommst du Krebs.“
und ich habe mir das angehört, abu und zu.
Das Härteste daran: Währenddessen habe ich… mich erklärt.
Habe bewiesen, dass ich nicht verrückt geworden bin.
habe sie beruhigt: „Alles ist okay.“
habe argumentiert.
Ich hätte ihnen Artikel schicken können. Ich hab versucht, es „verständlich“ zu machen.
Als würde mein innerer Frieden von der kollektiven Zustimmung meiner Familie abhängen.
Und hier kam der Wendepunkt.
Nicht in der Theorie. Nicht wegen YouTube.
Nicht, weil irgendein TikTok-„Experte“ das gesagt hat.
Sondern weil sich mein Alltag brutal verändert hat.
Mir ging’s verdammt gut.
Nicht so „naja, geht schon“.
Sondern so, dass:
ich Energie hatte,
präsent war,
geduldiger wurde,
nicht mehr so angespannt war,
mein Leben einfacher wurde –
und als wäre in mir irgendeine innere Unruhe plötzlich verstummt.
Und genau das ist schwer zu erklären, wenn man es nie erlebt hat.
Denn manchmal will jemand über dein Essen diskutieren… aber eigentlich geht’s nicht ums Essen.
Sondern darum, dass sie keinen Einfluss mehr auf mich haben.
Dass ich entscheide. Über meine Körper. Über mein Leben.
Und das ist für manche… wie soll ich sagen… fast schon störend, obwohl alles es auch so mach, und erwartet...
Ich habe das 3 Monate lang als Diät erlebt. Sonst nie mehr.
Kein Zwang. Kein „jetzt 30 Tage und dann schauen wir mal“.
Sondern eine Entscheidung, bei der ich das Gefühl habe:
Endlich bin ich in meinem Körper zuhause.
Und nein – ich will niemanden überreden.
Ich erwarte von niemandem, dass er das so macht wie ich.
Nicht von meinem Kind. Nicht von der Familie. Von niemandem.
Und ehrlich: Meistens habe ich das Thema nicht mal angefangen. Andere haben gefragt – und ich habe eine Zeit lang auch geantwortet. Ruhig, ordentlich, geduldig.
Dann wurde ich müde. Nicht von den Fragen – sondern von der Rechtfertigung.
Weil ich irgendwann verstanden habe:
Ich vertrete keine Ideologie. Ich bekenne keinen Glauben. Ich will nicht diskutieren.
Ich will leben und ich lebe – und zwar richtig.
Ja. Und ich verstehe auch, wie das von außen aussieht.
Aber das nennt man Mut. Veränderung, Ausprobieren, Entwicklung, Erfahrung.
Mit 18 wurde ich Vegetarierin. Mein Papa hat damals schon gesagt: „Ich weiß nicht, ob das gut ist, Fleisch ist Essenz.“
Er hat mich gebeten, wenigstens Fisch und Meeresfrüchte zu essen – die mochte ich ja – und das habe ich auch gemacht.
Fleisch wenig. In der Schweiz, mit meinem Mann, etwas mehr, weil er es mag – und wir haben gut funktioniert zusammen.
Und dann… kommt plötzlich dieser Wechsel. Und mein Mann, der mich seit 15 Jahren kennt, sieht, wie aus der „vegetarischen Frau“ auf einmal jemand wird, der Fleisch isst.
Natürlich schockt ihn das.
Das verstehe ich. Aber die Entscheidung… ist trotzdem meine.
Weder mein Kind, noch mein Mann, noch meine Mutter, noch das Internet, noch ein Arzt, noch irgendeine Richtung kann für mich entscheiden.
Ich entscheide nicht aus Rebellion, nicht aus Trotz nicht als Beweis.
Ich will nur nicht aussehen wie „aufgegeben“ mit 40… oder 50.
Und dann kommt dieses nächste Lieblings-Missverständnis:
„Ach Anikó, du wirst doch nicht mehr 20.“
Und wer hat gesagt, dass ich das will?
Ich liebe mein Alter, meine 40.
Meine Weisheit. Meine Entwicklung. Mein Verständnis.
Ich will nicht zurück.
Ich will nur nicht aussehen, als hätte ich schon aufgegeben.
Denn mal ehrlich:
Wie viele Vierzigjährige sehen aus wie Fünfzig?
Wie viele Sechzigjährige sehen aus wie fast Achtzig?
Ich will nicht „wie 20“ aussehen.
Ich will, dass ich mit 60 noch den Enkeln hinterherlaufe – und nicht so dasitze mit „tja… geht halt nicht.“
Und nebenbei: Warum sollte ich kurze Haare tragen, nur weil „das zum Alter passt“?
Ach komm.
Wenn jemand freundlich interessiert fragt – erzähle ich gern.
Ich erzähle sogar sehr gern, weil das für mich ein echter Lebensqualitäts-Shift war.
Aber:
ich werde mich nicht mehr zurückversichern,
ich werde nichts beweisen,
ich werde nicht diskutieren,
ich werde nicht begründen müssen, warum ich so lebe, wie ich lebe.
Denn das ist kein Streit.
Kein Glaubensbekenntnis.
Keine Ideologie.
Das ist eine Entscheidung, und genau dadurch ist mein Leben einfacher geworden.
Ich will nicht, dass meine Familie „umstellt“.
Ich will nur, dass sie akzeptieren: Anikó isst so.
Und wenn ich eingeladen bin, dann ist für mich da:
Ei oder
Fleisch oder
Innereien,
ein bisschen Fett – irgendwas in der Richtung.
Kein Drama. Kein großes Theater.
Wenn ein Vegetarier kommt, wundert sich niemand, dass er den Gulasch nicht isst.
Wenn jemand glutenfrei essen muss, diskutierst du nicht „ach ein Bissen geht schon“.
Wenn jemand laktoseintolerant ist, bist du nicht beleidigt, weil er keinen Sauerrahm will.
Warum bin ich dann als Fleischesserin „zu viel“?
Ich verstehe es wirklich nicht.
Und am Ende bleibt trotzdem nur das:
Wer mich liebt, muss es nicht genauso machen.
Aber versteht: Mir geht’s damit besser.
Und wenn ich wirklich besser drauf bin, energischer, präsenter, geduldiger…
warum sollte mich jemand zurückziehen wollen?
Und wisst ihr, was einer der schönsten Momente war?
Als mein Papa mich angesehen hat und nicht gesehen hat: „Du hast dich kaputt gemacht“,
sondern:
Da ist neue Kraft in dir.
Und als Fachperson – als Apotheker – hätte ich ihm am liebsten gesagt:
„Weißt du… vielleicht hattest du recht.“
Nicht jeder muss es verstehen, nicht jeder muss zustimmen, nicht jeder muss dasselbe machen.
Aber Respekt? Ja.
Und wenn jemand freundlich fragt, antworte ich gern.
Nur eines mache ich nicht mehr: mich erklären.
Ich schulde niemandem eine Erklärung. Und genau dadurch wurde es leichter.
Nicht jeder Weg beginnt mit einer Entscheidung
Manches ist zuerst einfach da.
Als Gedanke.
Als Gefühl.
Die Haltung, die in diesem Blog sichtbar wird,
nimmt an einem Punkt eine geführte Form an.
Diesen Rahmen nenne ich CarnieGo.
Nicht jetzt.
Nicht für alle.
Und ohne Erklärung.
sage ich dir Bescheid.
Kein Newsletter. Eine einmalige Information, wenn es beginnt.