Mein Körper wollte keine Kontrolle, nur Raum.
Aber das habe ich am Anfang nicht verstanden, weil ich einfach so ticke: Ich halte mein Leben gern in der Hand. Nicht auf eine hysterische Art, sondern… bewusst, zielorientiert.
Ich will wissen, was ich will. Ich will wissen, wie man Haushalt, Kinder, Arbeit, Berufung, Kundinnen, Ehemann, Familie – einfach alles – „handhabt“. Ein Handbuch für alles wäre manchmal echt praktisch, und dann: los geht’s… :)
Und natürlich kam daher der Gedanke: Dann will ich auch meinen Körper „handhaben“. Steuern. Regulieren. Eingreifen. Warum sollte der Körper eine Ausnahme sein? Wenn man das Leben managen kann – warum nicht auch den Körper?
Nur… der Körper ist halt kein Projektmanagement-Board.
Vielleicht bin ich deshalb überhaupt Richtung Gesundheit gegangen. Deshalb wollte ich Ärztin werden. Bin ich dann nicht – und heute, ehrlich: Ich bin sogar froh darüber.
Mein Vater ist Apotheker, ich bin damit aufgewachsen. Für mich war es normal, „verstehen zu wollen“. Zu wissen, warum der Körper funktioniert. Kontrolle zu haben. Und meine Großmutter hat mich parallel stark in Richtung Naturheilkunde geprägt – dieser „Weg der Natur“ war immer auch in mir.
Dann kam der Wendepunkt: Mit 18, kurz vor der Aufnahmeprüfung fürs Medizinstudium, habe ich einen sehr schweren Motorradunfall erlebt und mitgeholfen und da kam die Erkenntnis: Ich will nicht am lebenden Menschen „rumoperieren“, „üben“, reinschneiden. Weder Nerven noch Lust noch Berufungsgefühl. Es ist wirklich nicht meins. Also bin ich nicht einmal zur Prüfung gegangen.
Der Wunsch blieb trotzdem: Ich wollte mit Menschen arbeiten, helfen, heilen – nur anders. Biologie, Biotechnologie, Humanbiologie … und später in der Schweiz die Richtung Medizinische Praxisassistenz, weil dort der Kontakt mit Menschen und das Helfen endlich real waren, nicht Theorie. Dabei lief mein eigenes Thema die ganze Zeit mit: Migräne. Mein eigenes „Ich heile mich selbst“-Projekt.
Hast du schonmal gefragt:
Wie kann dir jemand helfen, wenn für sich selber auch Probleme/Krankheite(n) hat?
Vorher habe ich es nie gefragt aber es war richtig falsch.
Mein Leben hat mich ein Muster gelehrt: Wenn etwas nicht funktioniert, dann machst du es noch besser. Noch bewusster. Mit noch mehr Kontrolle. Und je mehr ich versucht habe zu steuern … desto weniger hat es funktioniert.
Manches ging schon – weil ich meine Routinen hatte. Und manches natürlich nicht. Gruppentrainings im Sport habe ich immer geliebt – im Gegensatz dazu, allein an Maschinen rumzuzerren … dabei habe ich mich auch selbst besser gefunden.
Nur: Ich – als „Kennerin“, als „Fachfrau“ in Anführungszeichen – habe das schlecht ausgehalten. Weil in meinem Kopf läuft: „Come on, ich weiß doch, wie das geht.“ Ich habe gelernt. Ich habe mich weitergebildet. Ich habe gesucht. Ich baue Systeme. Und trotzdem wollte mein Körper sich nicht so verhalten, wie ich dachte, dass er „soll“.
Kontrolle hieß bei mir ganz konkret:
Timing
Kombinieren
was, wann, womit, wie viel
das ist gutes Fett, das ist schlechtes Fett
das ist guter Kohlenhydrat, das ist schlechter
das ist super, das ist nicht super
Meditation
Bewegung: wie viel, wann, wo, wie …
Jetzt kommt der Twist: Ich habe davon nicht nur „gehört“. Ich habe es gelernt. In der Apotheke: Heilpflanzen, Tinkturen, Zäpfchen, Rezepturen – „was wofür“. Dann chinesische Medizin. Dann die große holistische Idee, die ich übrigens für wahr halte: Körper–Geist–Seele.
Du kannst nicht nur an der Seele arbeiten und den Körper vernachlässigen, und genauso wenig kannst du nur den Körper füttern und Geist und Seele nie nähren.
Deshalb habe ich 2017 auch Ernährungswissenschaft studiert – weil ich dachte: So, jetzt habe ich wirklich alles in der Hand, um Kundinnen verlässlich zu beraten.
Ich weiß, was zu tun ist.
Ich weiß, wie man steuert.
Mir wurde sogar beigebracht, wie man ein Bikini-Model „aufbaut“: trainieren, ernähren, formen. Wissen war da, viel, aus vielen Richtungen. Deswegen habe ich dachte: Das ist gut…
Trotzdem: Irgendwann habe ich meinen eigenen Körper nicht mehr verstanden. Warum läuft es anders, als es „sollte“?
Wie zur Hölle kann das sein?
Heute weiß ich: Mein Körper war in einem dauernden Anpassungsmodus.
Er konnte sich nie ausruhen in dem, was er bekam, weil immer etwas „Besseres“ kam. Eine neue Methode. Eine neue Erklärung. Ein neues Eingreifen und ich habe das Entwicklung genannt.
Bewusstsein. Optimierung.
In Wahrheit war es: ständige Störung.
Nur weil gerade etwas weh tut, heißt das nicht, dass ich sofort etwas draufwerfen muss: einen Tee, ein Pulver, eine Tablette oder irgendein „Energie-Ding“. Wenn ich etwas ausgleiche, verschiebe ich oft etwas anderes – und zack, der Kreis beginnt: Symptom–Reaktion–neues Symptom–neue Reaktion.
So ja: In diesem Kreis war ich verdammt gut (für eine Zeit). Nur frei war ich dadurch nicht.
Als ich dann wirklich fleischbasiert wurde … denken viele: „Ah, du hast losgelassen, du bist einfach ‘weg’ von all dem.“ Nee. Bei mir war das nicht romantisch.
Bei mir ist etwas anderes passiert: Ich habe an viel weniger Stellschrauben gedreht.
Es wurde viel wichtiger zu verstehen, was ich nicht esse, als was ich esse. Klar: Zusatzstoffe, ultraverarbeitete Lebensmittel, versteckter Mist – das alles gehört dazu aber es ging tiefer und tiefer
Dieses endlose „das ist besser, aber das ist noch besser“-Spiel ist aus meinem Leben verschwunden.
Ob Roggenbrot „besser“ ist als Weißbrot, war egal – weil es kein Brot gab.
Ob ein Apfel „besser“ ist als Schokolade, war egal – weil dieses Spiel nicht mehr lief.
Ob diese Glukose „besser“ ist als jene Fruktose – egal. Ich habe nicht mehr in diesem System gelebt.
Ich habe meinen Körper gefüttert, versorgt – und ihn einfach machen lassen. So habe ich wirklich verstanden und habe gespürt, was REAL FOOD bedeutet!

Und jetzt kommt der Teil, bei dem ich wirklich geguckt habe wie ein Fisch im Einkaufsbeutel:
Mein Körper ist nicht entgleist.
Er hat keine neuen Regeln verlangt und nicht erwartet, dass ich ihn noch stärker kontrolliere.
Im Gegenteil: Er wurde so stabil, so verlässlich, dass es fast schon nervig war.
Weil dann diese Frage auftaucht: Was habe ich bitte all die Jahre gemacht? Was habe ich 20 Jahre gelernt – und was weiß ich wirklich? … Das war eine brutale Erkenntnis.
Er brauchte nicht, dass ich dauernd reinrede, auch keine Uhr, keine permanente Kontrolle. Er hat einfach… zack, reibungslos funktioniert.
Und da war er wieder, mit voller Wucht:
Mein Körper wollte keine Kontrolle, nur Raum.
Mein Körper wollte nicht, dass ich ihn ständig „verstehe“, „überschreibe“, „optimiere“.
Er wollte, dass ich:
nicht ständig Essen nachschiebe
nicht dauernd Insulin-/Blutzucker-Kicks produziere
nicht jedes kleine Signal sofort lösen will
Also kommt ein weiterer Twist: Ich war sowieso nie die „fünf- bis sechsmal am Tag“-Esserin. Als Sportlerin, mit Fitness-Lifestyle, war dreimal Essen lange „Ordnung“. Der Durchschnitt lebt locker mit 10–20 „irgendwas“ am Tag – ohne es zu merken. (mega viel)
Trotzdem ist es bei mir runtergegangen: erst auf zwei Mahlzeiten, dann auf eine. Ohne Hunger. Ohne ständiges Nachdenken. Der Tag läuft, ich esse einmal, ich bin satt, fertig. Das Leben geht weiter.
Als mein Körper das bekam – die richtige Menge und Qualität, richtige ernaerende Ernaerung, die ihn wirklich nährt und satt macht – plus Ruhe –, hat er funktioniert, ohne dass ich endlos in Pulver-Tabletten-„wenn das ist, dann trinke ich das“-Reflexen kreisen musste.
In mir ist etwas verschwunden. Ein Zwang.
Der Zwang, immer reagieren zu müssen. Immer richtig entscheiden zu müssen. Immer „korrekt“ zu sein. Immer verstehen zu müssen, was ich da tue und genau da habe ich losgelassen! :) Ich habe einfach gemacht, weil ich in jeder Faser gespürt habe, wie gut es ist einfach Fleisch zu essen.
Das ist für mich grosse Schritt gewesen, weil ich gern verstehe. Ich mag Kontrolle und auch mag Systeme.
Aber irgendwann habe ich gesagt: Schluss.
Ich habe so viele Mythen gelernt. So viel unnütze Information. So viele „so muss das“-Sätze – die bei anderen vielleicht funktionieren, bei mir aber nicht.
Also habe ich das „muss“ aus dem Kopf geschmissen – und angefangen, auf meinen Körper zu hören und auf die Anweisungen meiner Carnivore-Ärztin folgen.
Das heißt nicht, dass ich nicht achte. Im Gegenteil: Ich achte sehr. Aber ich verstehe die echten Ursachen besser – und ich muss nicht führen, weil es von selbst funktioniert.
Heute verstehe ich die Mechanik. Mehr noch: Ich habe sie neu interpretiert, und ich habe gemerkt, wie viele Dinge wir als „Grundwahrheiten“ geschluckt haben:
„Das Gehirn braucht Zucker.“
„Fleisch ist schuld an Gicht.“
„Hohes Cholesterin ist schlecht fürs Herz.“
„Von Fett wirst du dick.“
Heute ist Essen kein Projekt. Keine Leistung. Kein „System“.
Es ist eine simple Sache: Ich esse, um zu leben. Nicht umgekehrt.
Mein Körper funktioniert, verlässlich, stabil, genial und ich habe meine Tage zurückbekommen, mit dem meinen Kopf, meine Zeit auch.
Also ja: Mein Körper wollte keine Kontrolle.
Nur Raum.
1) Ist das für jeden? Nein. Und das ist gut so.
2) Ist das Passivität? Nein. Es ist Vertrauen + Beobachtung, kein Eingriffs-Zwang. unten carnivore Aerztin Kontrolle.
3) Was war die größte Wende? Dass der Körper keine „Kontrolle“ wollte, sondern Ruhe.
4) Was war der größte Gewinn? Dass Essen zurück ins Leben mit Real Foods gekommen ist.
Nicht jeder Weg beginnt mit einer Entscheidung
Manches ist zuerst einfach da.
Als Gedanke.
Als Gefühl.
Die Haltung, die in diesem Blog sichtbar wird,
nimmt an einem Punkt eine geführte Form an.
Diesen Rahmen nenne ich CarnieGo.
Nicht jetzt.
Nicht für alle.
Und ohne Erklärung.
sage ich dir Bescheid.
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